Aufruf zu Frieden und Gerechtigkeit

Mit einem Aufruf zu Frieden und Gerechtigkeit ist in Kingston (Jamaika) die internationale Friedenstagung des Weltkirchenrates zu Ende gegangen. „Wir verstehen Frieden und Friedenstiften als unverzichtbaren Bestandteil unseres gemeinsamen Glaubens“, heißt es in der Abschlussbotschaft der rund 1.000 Vertreterinnen und Vertretern aus den 349 Mitgliedskirchen des Weltkirchenrates. Doch das Fazit fällt gemischt aus. Es würden hier hauptsächlich Problembeschreibungen geliefert, sagt etwa der EKD Friedensbeauftrage Renke Brahms. Auf dem Jamaika FriedensBlog des EED schreibt Jürgen Reichel dagegen: „Die Konferenz hat ein Ergebnis vorzuweisen: Die Botschaft “Ehre sei Gott und Frieden auf Erden”, die mit großem Beifall in der 2. Lesung angenommen wurde. Sie bedeutet den Abschluss einer ganzen Dekade, den Schlussakkord zu zehn Jahren weltweitem Einsatz von Kirchen für eine friedvollere Welt. Fernando Enns sagte, dass die Kirchen in zehn Jahren gelernt hätten, die inneren Zusammenhänge von Armut, Ausbeutung, Rassismus und Militarismus besser zu verstehen. Der Delegierte aus Deutschland hatte 1998 bei der 8. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in der simbabwischen Hauptstadt Harare als Jugenddelegierter den Vorschlag zu einer „Dekade zur Überwindung von Gewalt“ eingebracht und zur Verblüffung vieler auch durchgebracht. Die Botschaft “Ehre sei Gott und Frieden auf Erden” stellt diese Bezüge her. Sie zeigt auch, dass die Kirchen auf dem Weg sind und diesen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten gehen, dass das aber dem ökumenischen Miteinander nicht abträglich ist: “Einige (Kirchen) heben die Notwendigkeit hervor, sich zuerst auf die gegenseitige Unterstützung und Fortschritte innerhalb des Leibes Christi zu konzentrieren. Andere ermutigen die Zusammenarbeit mit breiteren sozialen Bewegungen und das öffentliche Zeugnis der Kirchen. Jede Herangehensweise hat ihre Berechtigung, sie schließen sich nicht gegenseitig aus. Tatsächlich gehören sie untrennbar zusammen.” In Konferenztexten geht leicht unter, was besonders umkämpft war oder in der Situation bedeutsam ist. Einige Punkte stechen aus der Botschaft hervor:

die Aufforderung an die Kirchen, für Themen, die die Sexualität betreffen, “geschützte (Gesprächs-) Räume bereit zu stellen” – das ist etwas anderes, als von der Kanzel richtig und falsch zu verkünden,

das starke Plädoyer für ein Recht auf Kriegsdienstverweigerung – in den meisten Ländern der Welt heutzutage nicht denkbar und durchaus kein Herzensanliegen für alle Kirchen,

die immer wiederkehrende Betonung des Willens zur Zusammenarbeit mit anderen Religionen und des Zusammenwirkens mit der Zivilgesellschaft – das setzt Hören und Hintanstellen eigener Ansprüche voraus,

die Absage an Atomkraft zur Energiegewinnung – es ist also durchaus kein deutscher Sonderweg, sondern ein breiterer internationaler Konsens in diese Frage vorhanden,

die dringende Aufforderung an die Regierungen, unmittelbar Rüstungsausgaben zugunsten von sozialen und ökologischen Programmen zu kürzen – das gälte dann auch als Auftrag für die Delegierten aus den USA und Russland (und selbstverständlich auch für die Deutschen),

die Bestätigung des Konzepts eines gerechten Friedens anstelle der Theorien zu einem “gerechten Krieg” – die sorgfältige theologische Arbeit, die in Deutschland dazu geleistet worden ist, hat hier hilfreich gewirkt,

das Zugeben, dass die ökumenische Familie sich mit der “obligation to protect” schwer tut; sie sieht sie einerseits als Aufforderung zu viel intensiverer Gewaltprävention und der Anbahnung eines Auftrags für internationale Polizeieinsätze unter dem Schirm der UN, kann aber die Versuchung des Missbrauchs eines solchen Mandats für andere Zwecke nicht ausschließen. Die Versammlung bittet infolgedessen den ÖRK angesichts der weltpolitischen Lage, “dringend, seine Position dazu zu klären”.“

 

http://jamaika2011.blogspot.com/2011/05/die-abschlusserklarung-ehre-sei-gott.html