Autorität(en) im Konflikt

Autorität basiert auf der Anerkennung derjenigen, die den Deutungen oder Anordnungen einer Institution, von Akteuren oder Personen folgen. Max Weber hat Autorität bekanntlich auf den Legitimitätsglauben zurückgeführt, der auf unterschiedlichen Grundlagen beruhen kann, bspw. auf Traditionen, auf der Zuschreibung von Charisma oder auf Verfahren und universalistischen Normen. Wem Autorität zugeschrieben wird, der muss seine Entscheidungen oder Interpretationen in der Regel nicht weiter begründen, sondern kann darauf vertrauen, dass sie von anderen geteilt oder akzeptiert werden. Insofern erzeugt Autorität Macht, also die Fähigkeit, eigene Interessen durchsetzen können.

 

In politischen und gesellschaftlichen Konflikten spielt Autorität verschiedene Rollen. Sie kann dazu beitragen, Konflikte zu beenden oder zu verhindern, weil Konfliktparteien eine dritte Instanz als Autorität anerkennen, die über den Konflikt letztlich entscheidet. Dabei kann es sich bspw. um rechtliche Institutionen handeln, aber auch um Persönlichkeiten wie Könige oder Älteste oder internationale Organisationen. Anderseits kann Autorität für die Beendigung von (bewaffneten) Konflikten auch hinderlich sein. Dies zeigt sich etwa in Fällen, in denen Führer bewaffneter Gruppen Friedensprozesse behindern, weil sie einen Verlust ihrer Autorität fürchten.

 

Des Weiteren kann Autorität in Konflikten aber auch herausgefordert werden, etwa dadurch, dass ihre Legitimität bestritten wird. Dies ist etwa in Anti-Regime-Kriegen der Fall, aber auch in Massenprotesten gegen Regierungen oder nicht-staatliche Institutionen wie Kirchen. Solche Konflikte zeigen zugleich auch die begrenzte Reichweite von Autorität an, die zwar unter Umständen auf internationalen Normen oder einer staatlichen Ordnung basieren mögen, aber in lokalen Lebenswelten auf konkurrierende Autoritäten treffen.

 

Und schließlich können Autoritäten aus Konflikten unter Umständen auch gestärkt hervorgehen, sofern sie bspw. in der Lage sind, die Herausforderer oder Konkurrenten als Bedrohung darzustellen, vor denen eine Bevölkerung geschützt werden muss.

All dies verweist auf die Frage, unter welchen Bedingungen Akteure und Institutionen in Konflikten Autorität gewinnen oder verlieren und aufgrund welcher Eigenschaften (Wissen, Geschlecht, sozio-ökonomischer Status, Repräsentation) Autorität zugeschrieben wird.

Auf der Tagung sollen diese unterschiedlichen Facetten des Verhältnisses von Autorität und Konflikt diskutiert werden. Wir möchten uns dabei aus empirischer und theoretischer Perspektive besonders – aber nicht ausschließlich – mit folgenden Fragen beschäftigen:

Welche Rolle spielt Autorität in Nachkriegsgesellschaften und Transitional Justice?
‚Contested Authority’: Unter welchen Bedingungen entstehen Proteste gegen politische und religiöse Autoritäten und inwiefern werden Gegen-Autoritäten ins Spiel gebracht?
Wie wird Autorität sprachlich und diskursiv in Verhandlungen hergestellt? Welche Rolle spielt Autorität für Friedensverhandlungen und in Mediationsansätzen?
In welchem Verhältnis stehen Demokratie und Autorität? Benötigt Demokratie Autorität? Beruhen demokratische Institutionen letztlich auf einer Autorität, die in demokratischen Verfahren hervorgebracht werden kann? Oder höhlt Autorität – etwas in Form von Expertenautorität – Demokratie aus? Begünstigt Autorität autoritäres Verhalten?
Welche Bedeutung hat Autorität für die Entstehung und Beendigung bewaffneter Konflikte? Und worauf beruht die Zuschreibung von Autorität bei Anführern bewaffneter Gruppen?
Wie erlangen Akteure (bspw. NGOs und Internationale Organisationen) Autorität in Konflikten, vor allem in Bezug auf die Vermittlung von Wissen über Konflikte?
Welche Rolle spielt Gender für politische Führerschaft und die Zuschreibung von Autorität?

Erwünscht sind insbesondere auch Beiträge, die Konflikte zwischen unterschiedlichen Autoritäten – bspw. staatlichen und nicht-staatlichen – oder zwischen divergierenden Autoritätsressourcen (bspw. internationale Normen, staatliche Ordnung, Religion, Wissen) fokussieren.

 

Für Beiträge zur Tagung bitte bis zum 30. April 2014 eine aussagekräftige Zusammenfassung (abstract) (ca. 300 Wörter) an zfk2014(at)uni-marburg.de schicken. Reise- und Unterkunftskosten können nicht übernommen werden.

 

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