CfP: Landkonflikte

(Auszug aus dem Call for Papers)

(Auszug aus dem Call for Papers)
Im Zeichen des Klimawandels, vielfältiger Energie- und Nahrungsmittelkrisen sowie transnationaler agrarindustrieller Expansionsstrategien erlangt ein in entwicklungspolitischen Debatten fast schon vergessenes Thema erneut an Bedeutung: die Landfrage. Begriffe wie „peak soil“, „landgrabbing“, die neue „globale Landnahme“ oder „Landknappheit“ bringen diesen neuerlichen Bedeutungszuwachs zum Ausdruck. Er zeigt sich in entwicklungs- und klimapolitischen sowie globalisierungskritischen Debatten, sozial- und agrarwissenschaftlichen Publikationen. Deutlich wird er auch durch internationale Direktinvestitionen in Ländern Lateinamerikas, Afrikas und Asiens. So investieren deutsche Fondsgesellschaften in brasilianisches Land, schließt Brasilien Kooperationsverträge mit afrikanischen Staaten zum Anbau von Zuckerrohr für die Produktion von Agrarethanol, pachtet China riesige Landflächen in Indonesien für den Reisanbau und bietet Kongo-Brazzaville dem südafrikanischen Bauernverband bis zu 10 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche zur Bewirtschaftung an. Die Liste ließe sich fortsetzen.
Als eine zentrale Folge dieser Entwicklungen erscheinen neue Landkonflikte. Heft 124 der PERIPHERIE widmet sich der Analyse und theoretischen Diskussion von Landkonflikten. Die Herausgeber wünschen sich hierfür explizit theoretische und konkret empirische Beiträge zu den Interdependenzen zwischen globalen Strukturveränderungen in den Bereichen Handel, Agrar, Klima, Energie, Entwicklung und Landkonflikten. Ebenso willkommen sind kontextualisierte Analysen historischer und gegenwärtiger Verteilungs-, Nutzungs- und Landrechtskonflikte.
Die Herausgeber freuen sich über Artikelvorschläge zu folgenden Leitfragen:

  • # Auf welchen Ebenen und in welchen Räumen finden Landkonflikte statt – und wie wirken diese ineinander?
  • # Wie lassen sich die Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen politischen Sektoren, räumlichen Maßstabsebenen und sozialen Verhältnissen theoretisch fassen, beschreiben und analysieren?
  • # Wie ist das Akteursfeld im Kontext von Landkonflikten konstituiert? Lassen sich hier gegenwärtig Veränderungen beobachten? Wie sind diese zu bewerten?
  • # Inwiefern gelingt es marginalisierten Bevölkerungsgruppen, ihre Interessen in Landkonflikten gegenüber machtvollen Akteuren zu artikulieren und durchzusetzen?
  • # Welche Bedeutung kommt Kategorien sozialer Ungleichheit (Geschlecht, Klasse/Kaste, Ethnizität) im Kontext von Landkonflikten zu?
  • # Welche Rolle spielen bei Landkonflikten ererbte Ansprüche und die symbolische Dimension von Zugangs- und Verfügungsrechten?
  • # Welche Bedeutungen haben hier staatliche Regelungen zur Restitution?
  • # Wo bilden sich Widerstandsbewegungen heraus? Welche Potenziale besitzen sie, welche Strategien und Ziele verfolgen sie, welche Akteure sind involviert?
  • # Welche Bedeutung haben die aktuellen Entwicklungen im Bereich Landnutzung auf das Verhältnis von Zentrum und Peripherie? Lassen sich Machtverschiebungen beobachten, oder werden bestehende Nord-Süd-Abhängigkeiten in neuer Form und vor dem Hintergrund globaler Krisendynamiken (Klima, Energie, Ernährung) reproduziert?
  • # Wie verschiebt sich die globale Produktion von Lebensmitteln zugunsten von Agrartreibstoffen, und wie betrifft das die globale Ernährungssicherheit?
  • # Welche wesentlichen Faktoren bedingen die (ausbleibenden) Erfolge von Landreformen?

Die Herausgeber bitten um Vorschläge für Beiträge (Exposé ca. 1 Seite DIN-A4) bis zum 15. 4. 2011 an die eMail: info@zeitschrift-peripherie.de.
Redaktionsschluss für erste Artikelfassungen ist am 4. 5. 2011.

Der vollständige Call for Papers kann unten heruntergeladen werden.