CfP: ‚Opferbilder / Täterbilder‘

Opferbilder / Täterbilder

Opferbilder / Täterbilder
Das interdisziplinäre Nachwuchswissenschaftler(innen)netzwerk AVAR_net veranstaltet vom 16. bis 18. Oktober 2009 in Berlin die Tagung ‚Opferbilder / Täterbilder‘. Es handelt sich um ein von der Hans-Böckler-Stiftung gefördertes Kooperationsprojekt des German Institute of Global and Area Studies (GIGA) mit der Berlin Graduate School of Social Sciences (BGSS) und dem Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF). Die Tagung richtet sich vorrangig an Doktorandinnen und Doktoranden, die sich mit Prozessen der Aufarbeitung von Vergangenheit in außereuropäischen Regionen beschäftigen und dabei die Konstruktion von Täter- und Opferbildern behandeln. Darüber hinaus sollen auch transnationale Aspekte berücksichtigt werden, welche die in Europa geführten Debatten einbeziehen.
Der Fokus liegt auf den im Zuge von Aufarbeitungsprozessen adressierten Akteuren: Wie gehen unterschiedliche Gesellschaften nach Diktatur und Menschenrechtsverletzungen mit Opfern und Tätern um und welche Folgen ergeben sich aus der öffentlichen Rollenzuschreibung? Denn im Prozess der Vergangenheitsaufarbeitung wird Geschichte (neu) geschrieben: Wer zuvor verfolgt wurde und in Gefängnissen saß, kann jetzt als Opfer eines autoritären Regimes anerkannt werden. Unterschiedliche Opfergruppen fordern für das an ihnen begangene Leid symbolische Wiedergutmachung, materielle Entschädigung, die Aufklärung der Verbrechen sowie eine Bestrafung der Täter. Im Vordergrund steht dabei, welche Opferdiskurse sich im Kampf um hegemoniale Erinnerung und die Deutung der Vergangenheit heraus kristallisieren. Gelingt es, eine Gegenerinnerung zu etablieren? Auch kann, wenn unterschiedliche Opferpositionen zueinander in Konkurrenz treten eine Hierarchisierung von verschiedenen Opfergruppen stattfinden. Hierbei kann danach gefragt werden, welche Konflikte sich zwischen Opfergruppen herausstellen und was für einen Einfluss die Opferkonkurrenz auf die Menschenrechtspolitik nimmt.
Andererseits werden ehemals Verantwortliche als Täter benannt, die jetzt möglicherweise mit zivil- und strafrechtlichen Konsequenzen zu rechnen haben. Welche Rolle nehmen die Täter nach einem Regimewechsel ein, wie wird mit ihnen umgegangen (Amnestiegesetze, Strafverfolgung, Säuberungen) und welche Täterbilder liegen dem zugrunde? Indem Opfer- und Täter aufgrund von rechtlichen, zivilgesellschaftlichen oder administrativen Maßnahmen konstruiert werden, beginnt auch die Auseinandersetzung über die kollektive Geschichtsschreibung. Hierbei stößt man immer wieder auf Grenzbereiche. Können Täter Opfer sein oder auch vice versa? Auf welche Weise finden Übergange von einem Täter- zu einem Opferstatus statt? Und wie gehen die so Bezeichneten selbst mit dieser öffentlichen Zuschreibung um?

Für folgende Panels können Beiträge eingereicht werden:
– Opferrollen und Opferkonkurrenz in Aufarbeitungsprozessen
– Tätertypen und ihre Konstruktion im Prozess der Vergangenheitsaufarbeitung
– Umdeutungsprozesse: Täter als Opfer und Opfer als Täter

Im Rahmen eines Vortrags ist es sowohl möglich, Projektideen vorzustellen, als auch Forschungsergebnisse zu präsentieren. Ein Abstract von maximal 200 Wörtern sowie eine kurze Autorenangabe (bis 300 Zeichen) können bis zum 30.06.2009 eingereicht werden. Die Tagung findet in deutscher Sprache statt; der Abstract sollte ebenfalls auf Deutsch verfasst sein. Frist für die Abgabe des vollständigen Tagungsbeitrags ist der 15.09.2009. Die Tagung steht auch interessierten Teilnehmern offen, die ihr Forschungsprojekt im Rahmen einer Postersession bekannt machen wollen.
Im Anschluss an die Tagung ist die Veröffentlichung der Beiträge in einem Tagungsband geplant. Die Interessenten werden gebeten anzugeben, ob sie sich mit einem ausgearbeiteten Beitrag an einer Publikation über ‚Opferbilder / Täterbilder‘ beteiligen wollen.
Bitte senden Sie Ihre Beiträge und Anmeldungen zur Tagungsteilnahme per E-Mail an: doktorandennetzwerkilas@giga-hamburg.de, GIGA Institut für Lateinamerika-Studien, Neuer Jungfernstieg 21, 20354 Hamburg, Deutschland