Friedens- und Konfliktforschung stärken

Deutscher Bundestag – Parliamentsnachrichten – 10.11.2016 – Die Friedens- und Konfliktforschung in Deutschland soll gestärkt werden. Das fordern die Fraktionen CDU/CSU und SPD in einem Antrag ( 18/10239). Aufgrund der deutlich angestiegenen sicherheits- und friedenspolitischen Herausforderungen und der enormen Zerstörungswirkung von Konflikten und des daraus resultierenden menschlichen Leids sei eine größere Unterstützung des Spektrums der Friedens- und Konfliktforschung notwendig. Dabei müsse die stärkere Vernetzung untereinander wie auch mit anderen Forschungsfeldern vorangetrieben werden. In einem europäischen Forschungsraum und in Anbetracht vieler grenzüberschreitender Konflikte sei es nur konsequent, dass die Wissenschaftler der Friedens- und Konfliktforschung international und über Fächergrenzen hinweg noch enger zusammenarbeiten, heißt es im Antrag
weiter. Deshalb müsse es ein wichtiges Anliegen der Bundesregierung sein, in der europäischen Forschungsförderung den Bereich Friedens- und Konfliktforschung aufzuwerten und auszubauen.

In der Friedens- und Konfliktforschung würden wesentliche Beiträge zur Friedenssicherung, Gewalt- und Krisenprävention sowie zur Lösung von Konflikten erforscht, indem unter anderem Konfliktursachen und Gewaltdynamiken analysiert, Grundvoraussetzungen für die Aufrechterhaltung von Frieden und Sicherheit definiert oder friedliche Lösungsansätze für Konflikte herausgearbeitet würden. Diese wissenschaftliche Expertise sei für Regierung, Parlament und Gesellschaft unverzichtbar, um eine verantwortungsvolle Entscheidung zu finden. Trotz zahlreicher politischer Erfolge im Bereich der Konfliktbewältigung in den letzten Jahrzehnten benötige die Politik
kontinuierlich neue beziehungsweise fallspezifische wissenschaftliche Erkenntnisse zur friedlichen Krisen- und Gewaltprävention, Konfliktbearbeitung und Konfliktnachsorge, argumentieren die Abgeordneten.

Aktuelle Themen seien beispielsweise Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Zeiten des Wandels und der friedlichen Bewältigung großer inner- und zwischengesellschaftlicher Krisen und Konflikte, die Sicherung und Neugestaltung der gesamteuropäischen Friedens- und Sicherheitsordnung, Fragen der asymmetrischen Kriegführung oder der Umgang mit und die Abwehr von Angriffen im digitalen Raum und des Terrorismus. Insbesondere in der naturwissenschaftlichen Friedensforschung bestehe aktuell aufgrund eines Generationswechsels sowie des Fehlens einer kontinuierlichen finanziellen Förderung die Gefahr eines Verlustes von wissenschaftlichen Kompetenzen. Dabei werde diese sehr anwendungsbezogene und interdisziplinäre Forschung insbesondere von Bundesministerien als externe Expertise gern herangezogen.

Mit der „Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung“ (HSFK) und mehreren Universitätslehrstühlen existierten in Deutschland exzellente und international anerkannte wissenschaftliche Einrichtungen. Darüber hinaus verfüge Deutschland mit der „Deutschen Stiftung Friedensforschung“ (DSF) über eine Einrichtung mit spezialisiertem Know-how in der praxisrelevanten Forschungsförderung, der Vernetzung von Forschungsarbeiten und dem Transfer von Erkenntnissen sowie der strukturellen Entwicklung der einschlägigen wissenschaftlichen Kapazitäten. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstütze ebenfalls die Friedens- und Konfliktforschung in Deutschland. So werde zum Beispiel die Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung institutionell über die Leibniz-Gemeinschaft mitfinanziert. Das BMBF leiste zudem über seine Projektförderung
wesentliche Beiträge zur Friedens- und Konfliktforschung. Die bestehenden deutschen Institutionen der Friedensförderung und Friedensforschung wie das Zentrum für Internationale Friedenseinsätze (ZIF), der Zivile Friedensdienst, die Bundesakademie für Sicherheitspolitik und die Deutsche Stiftung Friedensforschung hätten sich bewährt und sollen nach Ansicht der Faktionen stärker in die Politikberatung einbezogen werden.