Kurzbericht zur Jahrestagung 2008 der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung

Das zehnjährige Bestehen der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung war der Anlass, um auf der in Kooperation mit der Evangelischen Akademie im Rheinland durchgeführten Jahrestagung Rückblick zu halten, Erreichtes kritisch zu würdigen und neue Ziele zu formulieren. Auf dem vor der Tagung abgehaltenen Plenum der Plattform wurde bereits der Umbruch in der Organisationsstruktur eingeleitet, wurde doch dort ein neuer Initiativkreis gewählt, der das Mandat erhielt, bis zum nächsten Plenum eine Vorlage über strukturelle Veränderungen der Plattform vorzulegen. Er besteht nunmehr – neben der Koordinatorin – aus elf Mitgliedern, darunter sechs neu gewählte, zumeist junge Teilhabende. Die Tagung strebte eine Dynamisierung und Intensivierung in der Zusammenarbeit zwischen Initiativkreis und Teilhabenden an; diese drückte sich in einer Reihe von konkreten Projekten für 2008 aus, die auf dem abschließenden Plenum vereinbart wurden.

Rund 80 TeilnehmerInnen diskutierten auf dem Plenum und während der Tagung die gegenwärtige Situation und Struktur der Plattform und konkretisierten in Arbeitsgruppen Vorhaben für 2008. Eröffnet wurde die Tagung durch Rückblicke auf die vergangenen zehn Jahre, präsentiert und kommentiert von Ute Hegener und Jörgen Klußmann, Regine Mehl und Jörg Calließ. Dabei wurde das gleichsam magische Zusammenspiel sehr heterogener Akteure in der Gründungsphase hervorgehoben, die Bedeutung der Plattform bei der Formulierung des Aktionsplans Zivile Krisenprävention und bei der Etablierung und Professionalisierung des zivilen Friedensdienstes in Deutschland profiliert, aber auch die ‚Mühen der Ebenen‘ bei der Einwerbung von Akzeptanz für den Vorrang ziviler Krisenprävention und gewaltfreier Konfliktbearbeitung betont. Als wichtige Aufgabe wurde formuliert, dass die Leistungsfähigkeit ziviler Konfliktbearbeitung greifbarer gemacht werden müsse, um darüber politische Unterstützung einzuwerben. ‚Wir müssen lernen, andere zu begeistern!‘ formulierte Jörg Calließ prägnant.
Das Tagungsthema ‚Friedensfähigkeit auf dem Prüfstand‘ diskutierten Ute Finck-Krämer (BSV), Karl-Ludwig Sommer (GHI) und Peter Runge (VENRO). In vier Arbeitsgruppen zu den Themen ‚Die Plattform als Brücke zwischen Praxis und Forschung‘, ‚Zivile Konfliktbearbeitung im Inland‘, ‚Lobby für den Frieden‘, ‚Sicherheit und Frieden mit der Europäischen Union?‘ wurden dann die unterschiedlichen Aufgabenbereiche der Plattform diskutiert und Ideen für weitere Projekte gesammelt. Dieser Teil der Tagung wurde durch einen Vortrag von Thania Paffenholz kontrastiert, die die Arbeitsweise und Effizienz zivilgesellschaftlicher Netzwerke hinterfragte und Vorschläge zur Optimierung vortrug. Hier formulierte Christoph Weller rhetorisch geschickt seinen Antrag, die Plattform aufzulösen, um gleich darauf mit der Frage ‚Was würdet ihr tun, wenn ihr wieder zu Hause wärt? Würdet ihr anders weiterarbeiten?‘ die Bedeutung konkreter Zielsetzungen für die Plattform ebenso wie die Tatsache zu verdeutlichen, dass die Effizienz der Plattform-Arbeit ein enges Zusammenspiel zwischen Initiativkreis und Teilhabenden erfordert. Im Anschluss an diesen Vortrag entfaltete sich eine neue Dynamik in den Arbeitsgruppen, die in der Konkretisierung von Plänen und Projekten für 2008 ihren Ausdruck fand.
Die Tagung endete am Sonntag mit einer Zusammenstellung und Diskussion der Vorschläge und Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen und der Delegation von Aufgaben für die Durchführung der in 2008 geplanten Vorhaben. So soll eine Veranstaltung zu Evaluation im letzten Quartal 2008 mit Thania Paffenholz durchgeführt werden, die Homepage der Plattform ausgebaut und ein Wiki zu Ziviler Konfliktbearbeitung eingerichtet werden. Die AG Zivile Konfliktbearbeitung im Inland plant eine Bestandsaufnahme zur ZKB im Inland, ein Konzept für die Lobbyarbeit in diesem Bereich und eine friedenspädagogische Tagung im November 2008. Als weitere Veranstaltungen sind geplant: der Internationale Friedenstag im September 2008, eine Studienreise nach Brüssel, eine Tagung zum Thema ‚Gender‘ und ein Workshop zur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für NGOs. Darüber hinaus soll ein Konzeptpapier zur Lobbyarbeit im Parlament erarbeitet werden. Auch sind neue Publikationen vorgesehen; so sollen Handreichungen zum Thema ‚Gender‘ und zum Civilian Crisis Management und Conflict Prevention der EU erstellt werden.

Die Themen und Ergebnisse dieser Tagung werden in einer Dokumentation gebündelt, die voraussichtlich im Mai 2008 auf der Homepage der Plattform zur Verfügung stehen wird.