Leidenschaftlicher Pazifist und aufrechter Demokrat

pax christi Pressemitteilung vom 6. Mai 2014: Mit Trauer und Betroffenheit hat pax christi die Nachricht vom Tode ihres früheren Vizepräsidenten und langjährigen Präsidiumsmitglieds Karlheinz Koppe aufgenommen. Geprägt durch die Erfahrungen des 2. Weltkriegs und die totalitäre Herrschaft der nationalsozialistischen Diktatur wurde Karlheinz Koppe zu einem leidenschaftlichen Pazifisten und aufrechten Demokraten. Sein Streben galt dem friedlichen Zusammenleben der Völkergemeinschaft – national wie international. Obwohl er in Distanz zur verfassten Kirche und zu vielen Formen praktizierter Religiosität stand, engagierte er sich in der katholischen Friedensbewegung. Seinem republikanischen Selbstverständnis entsprach es, jeden einzelnen in seinem Engagement und seiner aufrichtigen Überzeugung zu schätzen und gemeinsam mit ihnen für Frieden und Gerechtigkeit einzutreten.

 

In pax christi fand der Friedensforscher Karlheinz Koppe einen Ort praktisch-politischen Engagements. Als Mitautor des Polen-Memorandums des Bensberger Kreises trug er maßgeblich zur öffentlichen Akzeptanz der Anerkennung der Oder-Neiße Grenze bei. Wenige Jahre später hob er die Fragen der Abrüstung und des Gewaltverzichts auf die Tagesordnung der Bewegung und gewann die Bewegung für die Unterstützung der Demonstrationen gegen die Nachrüstung. Weit vor der Zeit der gegenwärtigen Weltfinanzkrise schon wies er immer wieder auf die Macht des Kapitals und dessen Gefahren für Demokratie und Menschenrechte hin.

 

Als mit der „Feuersteiner Erklärung“, in der sich pax christi für eindeutige Kriegsdienstverweigerung aussprach, eine Spaltung der Bewegung drohte, übernahm er 1988 Verantwortung als Vizepräsident der Bewegung. Den damaligen Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, den Trierer Bischof Hermann-Josef Spital, überzeugte er von der Dialogfähigkeit der Bewegung, so dass dieser nach vorübergehe Vakanz das Amt des bischöflichen Präsidenten übernahm.

 

Für den Pazifisten Koppe war auch das Gespräch mit den Soldaten kein Tabu – im Gegenteil. Auch wenn er nicht vom Einsatz militärischer Mittel überzeugt war, respektierte er doch die Gewissenentscheidung der Soldaten und suchte die Gemeinsamkeiten im Ringen um den Frieden. Mit dieser Dialogbereitschaft sowie seiner hohen Fachkompetenz als Friedensforscher gelang es ihm, pax christi innerhalb des deutschen Katholizismus aber auch gegenüber der Zivilgesellschaft zu einem gefragten und geschätzten Gesprächs- und Bündnispartner zu machen. Nach Ende seiner Amtszeit als Vizepräsident im Jahre 1994 war Karlheinz Koppe der pax christi Bewegung bis zuletzt ein solidarischer und kritischer Wegbegleiter. Wenige Wochen vor Vollendung seines 85. Lebensjahres ist Karlheinz Koppe jetzt verstorben. pax christi erinnert sich dankbar an ihn.