Mitten im Malestream

Anders als zur Studentenbewegung, zu der es eine Fülle analytischer Filme und sogar Fernseh-Serien gibt, gibt es das bisher zur Frauenbewegung nicht. Nirgendwo wird aufgegriffen, dass die Frauenbewegung so einheitlich nicht war, sondern dass es in ihr Richtungskämpfe gab, die hauptsächlich über die Kinderfrage ausgetragen wurden. Heute weiß das kaum mehr jemand, weil die Öffentlichkeit – wenn überhaupt – nur über den Teil berichtet, der sich letztlich durchgesetzt hat. Der Film verwendet eine Fülle alter Dokumentarmaterialien, die häufig von Filmemacherinnen oder Journalistinnen oder Medien-Avantgardistinnen normalerweise auf eigene Kosten und auf den ersten elektronischen Geräten aufgenommen wurden. Meine Arbeit, die sich über nahezu zwei Jahre hinzog, war es, dieses Material zu suchen und zu finden und häufig auch: wieder sichtbar zu machen. (Man denke an das Format Japan Standard 1). Ich selber machte 1968 nicht nur Filme, ich war auch politisch aktiv und als Bürgerin gewissermaßen eine der Gründerinnen der deutschen Frauenbewegung. Darum komme ich ab und zu in dem Film vor, nicht nur als diejenige, die die Diskussion leitet, sondern auch als politisch Handelnde. Es werden die Kernfragen der neuen Frauenbewegung in diesem Film berührt:
Mütterpolitik, Selbstverständnis von Männern als Väter, die wichtige 218-Kampagne, der real existierende Gebärstreik von Frauen, die politische Auseinandersetzung der Frauenbewegung mit den beiden christlichen Kirchen.