Radebeuler Couragepreis an ‚Unser Haus Belarus‘ verliehen (August 2010)

(Im folgenden der Wortlaut der Pressemitteilung des Bundes für Soziale Verteidigung:) Radebeul, den 27.08.2010 Die erste Verhaftung ist wie die erste Liebe… Weißrussische Rechtsschützer erhalten Couragepreis Am Wochenende wurde der internationale Radebeuler Couragepreis an das Rechtsschutznetzwerk ‚Unser Haus‘ aus Belarus verliehen. Die Stadt Radebeul würdigt damit den besonderen Einsatz von ‚Unser Haus‘ für den Schutz der Freiheit und sozialen Rechte der belarussischen Bevölkerung. Innenminister a.D. Heinz Eggert betonte in seiner Laudatio die besondere Belastung, unter der die Menschen in Belarus stehen, die die Allmacht des Präsidenten nicht akzeptieren wollen und sich in der Öffentlichkeit für die Mitsprache der Bürger stark machen. Freiheit und Demokratie seien dort kein abstraktes Gut, sondern der konkrete Kampf gegen Korruption und Willkür: ‚Sie wollen das Einfachste. Sie wollen, dass wenigstens die geltenden Gesetze eingehalten werden.‘ In Belarus jedoch muss, wer dieses selbstverständliche Recht einfordert, mit Repressionen rechnen. Olga Karatsch, die den Preis für ‚Unser Haus‘ entgegen nahm, meinte hierzu: ‚Die erste Verhaftung ist wie die erste Liebe. Man vergisst sie nie.‘ und beschrieb, wie sie 1999 als Teenagerin nach dem Verteilen von Flugblättern von 15 mit Maschinenpistolen bewaffneten Polizisten durch die Stadt geführt wurde. Das Netzwerk ‚Unser Haus‘ besteht aus 17 Gruppen in allen größeren Städten von Belarus. Durch ihren Einsatz für die alltäglichen Probleme der Bürger vom Mietrecht bis zum öffentlichen Nahverkehr haben sie sich in der Bevölkerung einen Rückhalt erworben, der ihnen hilft auch die staatlichen Repressionen zu überstehen. ‚Uns helfen auch viele kleine Beamte und selbst auf höherer Ebene erfahren wir Zustimmung. Schließlich kennen die Beamten die Probleme im Staatsapparat am besten und leiden oft selber unter Willkür und Korruption.‘ so Olga Karatsch Partner von ‚Unser Haus‘ ist der Bund für Soziale Verteidigung (BSV) aus Minden, der mit Förderung des Projekts Zivik der Bundesregierung und der Europäischen Union den belarusweiten Aufbau des Netzwerkes begleitete. Entsprechend stolz ist BSV-Geschäftsführer Björn Kunter, dass die Arbeit von ‚Unser Haus‘ nun mit dem Radebeuler Couragepreis auch international gewürdigt wird: ‚Die Diktatur lebt von der Angst der Untergebenen. Wenn Bürger, Aktivisten und Beamte durch das Engagement von Unser Haus diese Angst verlieren und Courage beweisen, so ist dies ein gutes Zeichen, dass auch dieser Unrechtsstaat überwunden werden kann.‘