Rita Schäfer erhält Ernst-Otto-Czempiel-Preis 2010

(Im folgenden wird die Pressemitteilung der HSFK wiedergegeben:) „Frauen und Kriege in Afrika“ wird als beste Monografie der Friedensforschung 2008/2009 mit dem diesjährigen Ernst-Otto-Czempiel-Preis der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung ausgezeichnet. In ihrem Werk „Frauen und Kriege in Afrika – ein Beitrag zur Genderforschung“ (2008) untersucht die Essener Ethnologin Dr. Rita Schäfer Handeln und Leiden von Frauen in gewaltsamen Konflikten in verschiedenen Regionen Afrikas aus der Genderperspektive. „Das Buch ist von innovativer wissenschaftlicher Qualität und zeichnet sich vor allem durch den leidenschaftlichen Einsatz der Autorin für die Menschen in Afrika aus“, begründen die Jurymitglieder Prof. Dr. Eva Senghaas-Knobloch (Universität Bremen), Prof. Dr. Dirk Messner (Deutsches Institut für Entwicklungspolitik) sowie Prof. Dr. Harald Müller (Vorsitzender der Jury und geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, HSFK) die Entscheidung. Schäfers Arbeit bereichere die Friedensforschung, indem sie die Stärke der Genderperspektive zur analytischen Durchdringung fortdauernder Gewaltkonflikte darlegt. Zugleich habe die Studie einen hohen praktischen Nutzen für die konstruktive Friedensarbeit. Die Monografie wurde im Rahmen der Jahreskonferenz der HSFK am 22. Oktober 2010 als bestes Werk der Friedensforschung in den vergangenen zwei Jahren mit dem Ernst-Otto-Czempiel-Preis ausgezeichnet. Das Buch „Frauen und Kriege in Afrika“ umfasst Fallstudien aus 15 Regionen des Kontinents. Frauen und Männer werden dabei in ihren unterschiedlichen Rollen als Kämpfer/innen, Opfer von Gewalt oder Flüchtlinge untersucht. Schäfer illustriert die langfristigen Folgen kolonialer Interventionen in die Geschlechterbeziehungen vor Ort unter anderem durch kriegerische Männlichkeitsbilder, die wenig erfolgreichen Bemühungen jener jungen Frauen, die an anti­kolonialen Befreiungskriegen und dem Anti-Apartheidskampf teilgenommen hatten, ihre Vorstellungen von Gleichberechtigung in Nachkriegsregimen umzusetzen, und das Versäumnis der internationalen Gemeinschaft, bei Friedensmissionen in Gewaltkonflikten der Genderdimension besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Wenn nachhaltig Frieden in den verschiedenen Konfliktgebieten etabliert werden soll, so schlussfolgert die Autorin, muss die Bedeutung der Geschlechterverhältnisse für gewaltsame Konflikte und deren Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen Frauen und Männern in den jeweiligen Regionen unbedingt beachtet werden. Mit ihrer Studie richtet sich Schäfer demnach nicht nur an Wissenschaftler/innen, sondern auch an Entwicklungsorganisationen. Für ihre Arbeit betrieb Rita Schäfer eigene Feldforschung und wertete bislang unerschlossene örtliche Quellen aus. „Dass die Autorin dabei die Erkenntnisse lokaler Wissenschaftler/innen in ihre Analyse einfließen ließ, verdient besondere Anerkennung“, erklärt Laudatorin Eva Senghaas-Knobloch. Schäfers Länderstudien verdeutlichten beispielhaft das Zusammenspiel von politischen Machtverhältnissen, kolonialen und nachkolonialen Ausbeutungsstrukturen sowie den Geschlechterhierarchien in der Region. „Damit gibt Rita Schäfer unterdrückten Afrikanerinnen und Afrikanern eine Stimme“, so Senghaas-Knobloch weiter. Dr. Rita Schäfer wurde 1965 in Paderborn geboren und studierte Ethnologie, Soziologie und Geografie an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg sowie der School of Oriental and African Studies der University of London. Sie promovierte zum Thema „Frauenorganisationen und Entwicklungszusammenarbeit“. Ihre Dissertation wurde 1994 mit dem Carl-Theodor-Kromer-Preis ausgezeichnet. Sie war beratend für die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit tätig, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit lokalen Frauenrechtsorganisationen in Afrika zu eruieren. Darüber hinaus arbeitete sie als Beraterin und resource person unter anderem für den Deutschen Entwicklungsdienst (DED), Inwent und Brot für Welt. In den vergangenen zehn Jahren zog es Rita Schäfer immer wieder nach Afrika, um Frauenrechtsorganisationen und die Problematik geschlechtsspezifischer Gewalt zum Beispiel in Ghana, Sierra Leone, Namibia, Simbabwe, Sambia, Lesotho und Südafrika zu untersuchen. Neben zahlreichen Lehraufträgen an den Universitäten Freiburg, Trier, Mainz, Göttingen, Bochum, Marburg, Berlin und Bern, war Rita Schäfer Gastprofessorin der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät/Gender Studies der Humboldt-Universität zu Berlin sowie am Institut für Ethnologie der Universität Göttingen.