Trauer um Dan Bar-On

Am 4. September 2008 verstarb Dan Bar-On im Alter von 69 Jahren nach langer Krankheit in Tel Aviv. Er war Professor für Psychologie an der Ben-Gurion Universität in Beer-Sheva und Co-Direktor des Peace Research Institute in the Middle East (PRIME) in Beit Jala.


Am 4. September 2008 verstarb Dan Bar-On im Alter von 69 Jahren nach langer Krankheit in Tel Aviv. Er war Professor für Psychologie an der Ben-Gurion Universität in Beer-Sheva und Co-Direktor des Peace Research Institute in the Middle East (PRIME) in Beit Jala.

Der 1938 als Sohn deutscher Juden in Haifa geborene Israeli verbrachte 25 Jahre im Kibbuz Revivim im Negev. Er studierte zunächst Landwirtschaft und dann Psychologie. Seine Arbeit als Psychologe widmete er vor allem den Folgewirkungen des Holocaust bei Kindern von Überlebenden. In den 1970er Jahren interviewte er die Kinder von Holocaust-Überlebenden in Israel. In Deutschland wurde Bar-On durch seine Interviews mit Kindern von NS-Tätern Ende der 1980er Jahre bekannt. 1985 sprach er mit den Kindern von Nazi-Tätern, woraus das Buch ‚Die Last des Schweigens‘ entstand. Aus dieser Auseinandersetzung gingen Dialogseminare hervor, die Bar-On mit Angehörigen der zweiten Generation von Überlebenden und Kindern prominenter Nationalsozialisten durchführte; so initiierte er 1992 den Gesprächkreis ‚To Reflect and Trust‘, dem auch Martin Bormann junior angehörte. Die von ihm dabei entwickelte Dialogtechnik wird seitdem auch in anderen von Konflikten geprägten Kontexten angewandt. Er veröffentlichte mehrere Bücher zum Thema Dialog in Konfliktsituationen und arbeitete für Verständigung im israelisch-palästinensischen Konflikt.

2006 bis 2008 leitete er im Rahmen der Körber-Stiftung das ‚Dan Bar On Dialogue Training – Storytelling in Conflict‘, um Mediatoren im Bereich der interkulturellen Dialogarbeit in verschiedenen Teilen der Welt auszubilden. Im Berghof Forschungszentrum für konstruktive Konfliktbearbeitung hielt Dan Bar-On noch 2008 einen Workshop zum Thema ‚Dealing with the Past in Israel-Palestine and in the Western Balkans. Storytelling in Conflict: Developing Practice and Research‘. Hier brachte er Friedensaktivist/innen aus dem ehemaligen Jugoslawien die Methode des Geschichten-Erzählens nahe und ermöglichte ihnen durch den Vergleich mit dem Konflikt in Israel-Palästina neue Sichtweisen auf den eigenen Kontext.

Dan Bar-On war 1998 und 2002/3 Ida E. Chair for Holocaust and Genocide Studies am Stockton College in New Jersey, wo er 1999 einen Ehrendoktortitel verliehen bekam. 1996 erhielt er den David Lopatie Chair for Post-Holocaust Psychological Studies. Mit dem palästinensischen Soziologen Sami Adwan gründete und leitete er ab 1998 das Peace Research Institute in the Middle East.
Für sein Engagement für Frieden und Verständigung wurden ihm u.a. das Bundesverdienstkreuz (2001), der Alexander-Langer-Preis (2001, zusammen mit Sami Adwan) und der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis (2003) verliehen.