Wandel des Staates – Transformation von Herrschaft?

Die sozialen Grundwerte Friedenssicherung, Rechtssicherheit, politische Selbstbestimmung und soziale Wohlfahrt werden heute – jedenfalls in westlichen Gesellschaften – allesamt in Verbindung mit dem modernen Nationalstaat gedacht. Keine andere politische Institution prägt die Lebenschancen der Menschen so nachhaltig wie er. Doch gleichzeitig stellen Wandlungsprozesse wie Globalisierung, Individualisierung und Privatisierung ernsthafte Herausforderungen für den demokratischen Rechts- und Interventionsstaat westlicher Prägung dar. Die Tagung möchte junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammenbringen, die im Rahmen von Dissertationen, Habilitationen oder anderen Forschungsprojekten zu den folgenden oder ähnlichen Fragen arbeiten: Wie ist der gegenwärtige Wandel von Staatlichkeit präzise zu beschreiben? Gibt es Veränderungen in der Art staatlicher Aufgabenerfüllung? Lässt sich ein Wandel von government zu governance feststellen? Werden staatliche Aufgaben und Macht zunehmend auf internationale oder lokale Ebenen verlagert, oder sehen wir eine weitere Machtkonzentration beim Nationalstaat? Ist es überhaupt zutreffend, von einem grundlegenden Wandel von Staatlichkeit auszugehen, oder ist die Kontinuität und Stabilität zentraler staatlicher Strukturen zu erkennen? Mit welchen konzeptionellen und methodischen Ansätzen lässt sich diese Frage beantworten? Welche Ansätze gibt es, um grundlegenden Wandel von kurzfristigen Veränderungen zu unterscheiden? Welche Kernfunktionen beispielsweise stehen derart im Zentrum von Staatlichkeit, dass ihre Verlagerung auf einen anderen Träger einen Wandel von Staatlichkeit impliziert? Inwieweit ist der behauptete Staatswandel primär ein Konstrukt – oder ein Effekt – von diskursiven Prozessen? Welchen Einfluss haben die erkannten Wandlungsprozesse auf Inhalt und Form staatlicher Machtausübung? Wie beeinflussen sie staatliche Souveränität und Möglichkeiten staatlicher Machtpolitik, demokratische Entscheidungsprozesse sowie Formen der rechtlichen Einhegung staatlicher Hoheitsgewalt? Welchen Einfluss hat der Wandel von Staatlichkeit auf Herrschafts- und Abhängigkeitsverhältnisse in gemeinhin als ‚privat‘ definierten Gesellschaftsbereichen (Wirtschaft, Geschlechterverhältnisse etc.)? Welche Möglichkeiten gibt es, um die Ausübung politischer Macht im Kontext moderner Staatlichkeit zu begrenzen oder demokratisch (besser) zu legitimieren? Willkommen sind empirische, theoretische, methodische und konzeptionelle Papiere aus den Fächern Politikwissenschaft, Verwaltungswissenschaft, Soziologie, Rechtswissenschaft, Volkswirtschaft, Geschichte und verwandten Disziplinen. Der Schwerpunkt der Tagung soll auf dem Wandel von Staatlichkeit in der OECD-Welt liegen. Dies schließt jedoch nicht aus, dass bei entsprechendem Bezug zu den Themen der Tagung auch Entwicklungen in der Nicht-OECD-Welt berücksichtigt werden.

Interessentinnen und Interessenten schicken bitte bis zum 15. Dezember 2005 ein Abstract (max. 350 Wörter) an: nachwuchstagung@sfb597.uni-bremen.de. Die Vorschläge werden anonym begutachtet, die Auswahl wird bis zum 15. Januar bekannt gegeben. Die fertigen Papers müssen bis spätestens 10. März vorliegen. Geeignete Beiträge sollen in einem Tagungsband in der Buchreihe des SFB 597 veröffentlicht werden (Auszug aus der Ausschreibung).